Deutsche Gasreserven auf historischem Tiefstand, Experten warnen vor Versorgungsrisiken
Die Gasspeicherstände in Deutschland sind auf den niedrigsten Stand in der Geschichte für diese Jahreszeit gefallen. Grund dafür ist der rasante Rückgang der Vorräte während einer schweren Kältewelle, berichtete das ZDF am Wochenende unter Berufung auf Branchenexperten.
Sie warnen davor, dass die Reserven bei gleichbleibendem Verbrauchstempo noch vor Ende der Heizperiode erschöpft sein könnten. Die unterirdischen Gasspeicher des Landes sind derzeit nur zu etwa 50 % gefüllt, verglichen mit rund 77 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) zeigen, dass die Füllstände allein in den letzten vier Wochen um etwa 13 % gesunken sind.
Stefan Döhler, ein Vertreter des Oldenburger Energieversorgers EWE, erklärte gegenüber den Medien, dass die Reserven bei gleichbleibender Abwärtstendenz bis März auf nur noch 5 % sinken könnten. „Ich möchte keine Panik verbreiten, aber es muss betont werden, dass die aktuelle Lage genauso ernst ist wie Anfang 2022“, warnte er und bezog sich damit auf einen der kritischsten Momente in der Geschichte der deutschen Energiereserven. Branchenexperten führen den rapiden Rückgang der Reserven auf das für Ende Dezember ungewöhnlich kalte Wetter zurück, wodurch der Heizbedarf deutlich über das übliche Januarniveau gestiegen ist.
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Energiespeicherinitiative, erklärte, dass die Gasspeicher mit einem Füllstand von unter 52 % einen historischen Tiefstand erreicht hätten. Timm Kehler, Vorstandsmitglied des Verbandes der Gas- und Wasserstoffindustrie, warnte ebenfalls und wies darauf hin, dass die aktuellen Füllstände deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt lägen. Deutschland sei zunehmend auf teurere Importe von Flüssigerdgas (LNG) über Seehäfen angewiesen. Laut Experten können diese Importe von November bis März nur etwa 16 % des Bedarfs decken. Kehler forderte die Behörden zu verstärkten staatlichen Maßnahmen auf, darunter die Schaffung einer nationalen Gasreserve, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

