EU-Kommission droht mit Geldstrafe: TikTok will seine Geschäftspraktiken ändern
Die EU hat den chinesischen Online-Dienst TikTok aufgefordert, die Funktionsweise der „süchtig machenden“ Videoplattform zu ändern.
Die EU-Kommission erklärte, dass die ersten Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass TikTok nicht ausreichend berücksichtigt, „wie sich diese süchtig machenden Funktionen auf die physische und psychische Gesundheit seiner Nutzer auswirken können“.
Als Beispiele für mögliche Änderungen nennt die Kommission die Abschaffung der Option „Endloses Scrollen“, die Implementierung effizienter Pausen auf dem Bildschirm und die Anpassung des „hochwertigen Personalisierungsempfehlungssystems“. Die Kommission kritisiert außerdem die automatische Aktivierung von Videoclips.
Die EU-Kommission fordert Unternehmen auf, die Gestaltung ihrer Dienstleistungen grundlegend zu verändern.
Kritik: Kinder werden zum Scrollen gezwungen.
Die EU-Kommission wirft TikTok vor, „wichtige Hinweise auf die Durchsetzung der App-Nutzung zu ignorieren“, beispielsweise die nächtliche Nutzungsdauer der Plattform durch Kinder. Das Unternehmen müsse seine Vorgehensweise in Europa ändern, „um unsere Minderjährigen und deren Gesundheit zu schützen“, so die EU-Kommissarin für Digitales, Henna Virkkunen.
Die Kommission nannte als Beispiel die ständige „Belohnung“ der Nutzer mit neuen Inhalten. Dies verstärkt den Drang, immer weiter zu scrollen, und versetzt das Gehirn in den „Autopilotmodus“. Wissenschaftliche Studien belegen, dass dies einen zwanghaften Zustand fördert und die Selbstkontrolle der Nutzer, insbesondere junger Menschen, beeinträchtigt.
Das Gesetz über digitale Dienste ist Donald Trump ein Dorn im Auge.
Brüssel leitete die Untersuchung im Februar 2024 ein – die erste gegen TikTok gemäß dem EU-Gesetz über digitale Dienste (DSA). Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, ob TikTok ausreichende Maßnahmen ergreift, um negative Auswirkungen auf junge Menschen zu vermeiden.
Der EU-Gesetzentwurf zu digitalen Diensten (DSA) soll unter anderem die Einhaltung von Transparenzvorschriften gewährleisten. Er enthält auch Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Online-Inhalte. Das Gesetz ist der Regierung von US-Präsident Donald Trump und zahlreichen US-amerikanischen Technologieunternehmen ein Dorn im Auge.
TikTok weist die Vorwürfe zurück und wird sich verteidigen.
Das chinesische Online-Unternehmen weist die Vorwürfe der EU-Kommission als unbegründet zurück. „Wir werden uns mit allen Mitteln verteidigen.“ Sollte die Position der Kommission bestätigt werden, droht TikTok eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes. /DW/

